Weltreise von Gerold Rahmann                                zurück zur Liste der Länder

 

33: Brasilien

Ich war schon einige Jahre bei Robin Wood aktiv und interessierte mich für die Regenwaldabholzung. Wurde ja viel Aktion darum gemacht. Ich wollte es mal mit eigenen Augen sehen. So haben ich 1986 an Volkswagen Wolfsburg, Vorstandsvorsitzender, eine Postkarte geschickt mit der Anfrage, ob ich auf ihrer Fazenda in Brasilien ein landwirtschaftliches Praktikum machen könnte. Ich habe doch tatsächlich Antwort bekommen mit dem Angebot, das Praktikum zu machen: Kontaktadressen etc. waren dabei. Alle aus der WG in der Planckstraße haben ebenfalls in Südamerika Praktikumsplätze gesucht: Stefan in Argentinien, Brigitte in Bolivien, Walter auch in Brasilien, Gerold in Bolivien.

Wir haben uns einen Flug gebucht und sind alle zuerst nach Rio geflogen. Dort haben wir uns dann getrennt. Gerold mit 10 Dränagerohr um die Schultern. Die Überlandbusse waren sehr komfortable und ich war über die Weite des Landes überrascht - vor allem die Monotonie. Von Brazil bin ich dann Richtung Regenwald nach Cristralino. Mein Portugiesisch war sehr schlecht und ich hatte Schwierigkeiten mit der Verständigung und nur wage Vorstellungen, wo die Fazenda liegt. Nach zwei Wochen bin ich dann aber angekommen, mit viel Händen und Füßen reden und lächeln. Zu essen habe ich wenig bekommen, da erst bestellt werden musste, bevor man etwas bekam. Dieses habe ich vor den Busabfahrten selten hinbekommen. Ich habe aber schnell Portugiesisch gelernt. Irgendwo in der Pampa, ich wusste schon längst nicht mehr, wo ich war, wurde ich aus einem der zig Busse ausgesetzt mit der Aufforderung zu warten: am Schild Rio Cristalino, 20 km. Es war kurz vor dem dunkel werden. Und tatsächlich, es kam ein Auto und nahm mich mit. 

Auf Cristalino habe ich Reiten gelernt, 10 Stunden jeden Tag im Aussitzen auf Maultieren, habe das erste Mal an einem Computer gesessen und viel über tropische Rinderhaltung gelernt: Grasanbau, Krankheiten, Tropentauglichkeit, Zucht, "Weidepflege durch Abbrennen", Mortalitätsraten von 10%, viele durch die extrem giftigen Schlangenbisse, lange Wachstumszeiten und ein freies Leben auf er Weide, wo sie eigentlich gar nicht hingehören.

Den Regenwald mochte ich, es war das erste Mal für mich, dass ich aus einem offenen Fluss getrunken habe und es war alles so grün, obwohl doch alles abgeholzt wurde und regelmäßig 25% der Fläche abgebrannt wurde.

Rio Cristalino vom Wasserturm aus fotografiert. Hier wohnten die besseren Leute 1986.

Weitere Bilder

Einer meiner Lieblingsbeschäftigungen im Regenwald: angeln. Nach vier Monaten mit den arroganten Fazenderos, Gutsherrlichkeit und sehr armen Wirtschaftssklaven habe ich Rio Cristalino verlassen. Ich hatte Indo-Vertreibung im Wald erlebt, war auf einem der modernsten Schlachthöfe gewesen, Auktionen mit Multimillionären und Flugzeugen als auch Militär-Ohnmacht im Regenwald erlebt und war viel Angeln mit einem Schlauchboot auf den vielen wilden Flüssen oder einfach von der Hängematte aus, die über einen Bach hing. Portugiesisch konnte ich nun recht gut. Hatte recht viel Zeit alleine, auf dem Pferd im Büro oder bei den Tieren verbracht. Gemalt habe ich viel.

 Ich habe Walter in Piraputanga bei Campo Grande besucht. Er arbeitete auf einem kleinen Selbstversorgerhof eines Deutschen. Dort einige Wochen geblieben. Mit Walter dann eine mehrwöchige Rundtour über die Iguazu-Wasserfälle, Paraguay, Argentinien, Uruguay gemacht. Dann zusammen mit ihm in das Pantanal nach Curumba, wo wir uns mit Stefan und Brigitte treffen wollten. Hat tatsächlich geklappt. Sind zusammen in dies schöne Landschaft gefahren, haben das freie Leben genossen. Einen Tag in Bolivien verbracht. Dann zusammen über Campo Grande nach Sao Paulo, wo wir Weihnachten gefeiert haben. An der Küste von Brasilien, in Florianopolis, in Blumenau, wo die ganzen Deutschen sind, und in Rio mehrere Tage verbracht.