Weltreise von Gerold Rahmann                                zurück zur Liste der Länder

 

43: Sudan

Ich hatte nach meiner Diplomarbeit über die Milchkuhhaltung in Malawi von Prof. Manig das Angebot erhalten, im Projekt "Rezente Entwicklungen der Tierhaltung im Sahel" mitzuarbeiten und meine Doktorarbeit zu schreiben. Da ich ja für mein Leben gerne im spannenden tropischen Ausland arbeiten wollte, war das Angebot für mich sehr attraktiv. Ich habe zugesagt. Problem war, dass ich nach der Zusage Klaudi kennengelernt habe, alle meine Freundinnen sausen ließ, sie geheiratet habe und sie schwanger war. Trotzdem bin ich gefahren, obwohl der Feldaufenthalt 16 Monate gehen sollte. Der Feldaufenthalt war nachträglich glücklicherweise von August 1991 bis April 1992 reduziert worden, wegen der extremen Dürre im Feld.

Im Sudan dann in einem fundamentalistischen Land erlebt, wie stolz aber auch falsch Menschen sein können, die Macht haben (Sheiks, Fundis) und Menschen, die einfach und ohne Macht sind, sich diesem hingeben (Frauen, Nomaden). Meine Toleranz für andere Verhaltensweisen ist stark unter Druck geraten und hat mich dazu gebracht, nicht mehr alles zu akzeptieren, was andere machen. Dritte Grad der Infibulation bei Mädchen, Sharia bei Vergehen und Unterdrückung von Armen (Slums niederreißen) sind für mich nicht akzeptabel.

Mein mobiles Heim für 8 Monate 1991 und 1992 in der Sahelzone im Sudan bei den Nomaden Shukria

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Die Arbeit war im Osten von Khartoum, wo ich bei den Nomaden Shukria und Rashaida mehrere Monate gelebt habe um ihre Ökonomie unter den Bedingungen der Dürre kennen zulernen (diese war situativ notwendig). Die Shukria waren in ihrer 1000 Jahre alten nomadischen Tradition verfangen und hatte wenig Chancen gegenüber den Ackerbauern, die Rashaida (erst vor 100 Jahren aus Saudia Arabien kommend) konnten sich durch den Einstieg in den Ackerbau sichern. Wichtiger Dürreindikator war die Ansteigende Anzahl von Mercedes Benz, da einige an dem Elend und Hunger der Menschen Vorteile hatte (Lebensmittelhilfe, Lagerbestände von Sorghum).

Es war im Herbst so heiß, dass die Fieberthermometer platzten. Es war so heiß, das das Atmen schwer fiel. 40 °C nachts, tagsüber 60 °C und das jeden Tag, monatelang. Wie habe ich mich nach ein kühles Bier gesehnt. Das Essen und schlafen war auch nicht reichhaltig und gesund. Bin auf unter 60 kg abgemagert. Malaria war für uns alle bald normal.

Heike Bremm war als Ethnologin mit mir bei den Nomaden. Sie sollte die Rolle der Frauen bearbeiten. Sie hatte wenig hard core Erfahrungen mit den schwierigen Bedingungen. Heike ist bei diesen Lebensverhältnissen überfordert, musste Notfallmäßig zurück nach Deutschland und ist später gestorben als Folgen des Feldaufenthalts. So was musste nicht sein. Für mich war klar, dass ich solch eine  Aufenthalt mit meiner Verantwortung für die Familie, die ich mittlerweile hatte (wusste ich erst bei meinem Heimaturlaub am Weihnachten). Telephonieren und schreiben konnten wir leider nicht, da die Kommunikationstechnik (selbst Weltempfänger) so weit noch nicht vorgedrungen war.

Mit der Zeit kam ich gut mit der Situation in der Sahelzone und den Lebensbedingungen zurecht. Es war aber sauhart. Die Sehnsucht nach Klaudia war dabei am schlimmsten (habe praktisch jede Nacht von einer Telefonaktion geträumt: immer scheiterte ein Telefonat aus den verschiedensten Gründen.)

Ich hatte ein einfaches übliches Zelt wie die Nomaden, wir sind in regelmäßigen Abständen durch die Landschaften gezogen. Die 300 Menschen großen Tribes waren sehr gastlich, aber viele betrieben "Nacht-Ökonomie". Dieses half bei ihrem Überleben. Ich habe bei den ärmsten mitgewohnt / mitgegessen, da mein Essensbeitrag ihnen half.

Khartoum gefiel mir sehr gut, sehr verkommen aber urarabisch. Konnte mich mit der Zeit gut auf arabisch unterhalten und hatte auch einen guten Dolmetscher (Mohamed), der immer gut drauf war und intelligent viele Probleme suchte. Mit der Zeit kam ich gut mit der Situation in der Sahelzone und den Lebensbedingungen zurecht. Es war aber sauhart. Die Sehnsucht nach Klaudia war dabei am schlimmsten (habe praktisch jede Nacht von einer Telefonaktion geträumt: immer scheiterte ein Telefonat aus den verschiedensten Gründen.)

Spannend waren auch die Touren auf die Märkte (New Halfa, Gedaref, Kassala, Omdourman, Gezira), die Besuche an den Flüssen Atbara, Blauer Nil. Die Fahr möchte ich nie bereuen aber auch nie wiederholen. Nach dem Feldaufenthalt konnte ich die banalen Probleme in Deutschland nicht mehr ernst nehmen. Die Arbeit habe ich abgeschlossen als Doktorarbeit, auch wenn ich nicht wirklich alles verstanden habe bei meiner "teilnehmenden Beobachtung". Für mich habe ich aber viel gelernt.